Let’s talk about Slow Fashion

Slow-Fashion-Unangepasst-Blog

Was? Wieso? Wie? – Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Slow Fashion kompakt zusammengefasst. 

Am 24. April 2013 stürzte das Rana Plaza Fabrikgebäude in Bangladesch ein. 1.135 Menschen starben.  Benetton und Mango ließen dort unter anderem Markenkleidung produzieren. Das größte Unglück der Textilindustrie entfachte weltweit Debatten über globale Verantwortung und Ethik.

Der Ansatz Slow Fashion rückte durch Rana Plaza in den Fokus. Das Konzept trug maßgeblich zum Wandel meines eigenen Konsumverhaltens bei.  Vor zehn Monaten beendete ich mein Selbstexperiment „6 Monate ohne Konsum.“ Mein Konsumverhalten hat sich seitdem  verändert. Ich kaufe weniger und überlegter, meide Fast Fashion weitgehend und kaufe stattdessen gebrauchte Kleidung auf dem Flohmarkt oder im Vintageladen.

Was ist Slow Fashion?

Der Begriff  wurde 2007 erstmals durch die Professorin Kate Fletcher des Centre for Sustainable Fashion verwendet. Slow Fashion ist eine soziale Bewegung und ein praktischer Ansatz für eine nachhaltigere und sozialere Modeindustrie.

Ein Gegenentwurf zu Fast Fashion, dem dominierenden Marktsegment der Modeindustrie mit  Ketten wie H&M oder Zara. Fair Fashion oder Vintage Mode sind praktische Beispiele für Slow Fashion.

„Buy well. Choose less. Make it last.“

– Vivienne Westwood 

Mehr Transparenz, Nachhaltigkeit und Ethik in der Modeindustrie sind die großen Ziele der Bewegung. Erreicht werden sollen diese durch:

  1. Bildung von kritischen KonsumentInnen
  2. Druck auf Fast Fashion Unternehmen & Konkurrenz durch Fair Fashion
  3. Politische Intervention

Bedeutet für ProduzentInnen:

  • Transparenz
  • Existenzsichernde Löhne für ArbeiterInnen
  • Zeitlose Designs
  • Umweltschonende Produktionsverfahren
  • Qualität statt Quantität

Weniger Kollektionen pro Jahr. Dafür hochwertige Materialien. Offengelegte Produktionsketten. Regelmäßige Überprüfungen von Betrieben in Entwicklungsländern. Standards für die Arbeits- und Produktionsbedingungen. ArbeiterInnen dürfen sich in einer Gewerkschaft organisieren.

Bedeutet für KonsumentInnen:

  • Weniger kaufen
  • Mehr Geld für Fair Fashion ausgeben
  • Marken kritisch hinterfragen
  • Weiterbilden
  • Kreativ sein (DIY/ Upcycling/Secondhand)

Ethik und ein 4,99 €-Shirt sind unvereinbar. Einen Bogen um die heißesten Trends bei H&M und Zara zu machen mag zunächst wie ein Verzicht wirken. Das Lesen von Blogs und Büchern verdeutlicht, wie viel ein Shirt eigentlich kosten muss.

Jeder weiß: Fast Fashion im Überkonsum schädigt Umwelt und Mensch. Wer sich mit Slow Fashion auseinandersetzt, hinterfragt und ändert ‚peu à peu‘.

Bedeutet für die Politik:

  • Druck auf Unternehmen ausüben
  • Verbesserte Arbeitsbedingungen und Transparenz verhandeln
  • Eventuell neue Gesetze ausarbeiten
  • Strikte Kontrollen implementieren

Mit der Internetplattform Siegelklarheit und dem Textilbündnis hat die Bundesregierung  in Deutschland zwei Projekte gestartet, die sich (teilweise) mit Slow Fashion-Ideen decken. Ziele der Initiativen: Mehr Transparenz. Soziale Gerechtigkeit. Verantwortung übernehmen.

Siegelklarheit bewertet nachhaltige Siegel und soll Orientierung beim Kauf verschaffen. Das Textilbündnis ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Unternehmen, NGOs und Politik. H&M und Primark sind prominente Fast Fashion Mitglieder. Hess Natur und die NGO Femnet vertreten Slow Fashion. Der bunte Slow und Fast Fashion Mix offenbart das Dilemma des Bündnisses: Veränderungen geschehen schleppend.

Erfolg beider Initiativen: Mäßig.

Bedeutet für die Wirtschaft:

  • Alternative Businessmodelle

Das Wirtschaftswachstum hat Grenzen.  Ressourcen sind begrenzt. Slow ist deshalb nicht das exakte Gegenteil von Fast Fashion. Letztere baut auf unbegrenztes Wirtschaftswachstum. Slow Fashion setzt auf hochwertige Mode mit Langlebigkeit. Wirtschaftliche Alternativen wie Kreislaufmodelle für Produkte werden progressiv diskutiert.

Wie beginne ich mit Slow Fashion?

Für bewussten Konsum gibt es keinen Knopf im Kopf, der den Hebel von „böser“ Fast  zu „guter“ Slow Fashion umlegt. Es ist ein Prozess. Erfahrungsgemäß hemmt Schwarzweißdenken den Erfolg nachdem der erste Funken der Begeisterung gewichen ist und alte, jahrelang praktizierte Konsumverhaltensmuster zurückkehren.

„Bestell dir das 10 Euro-Sale-Shirt bei Asos“,  flüstert die Schnäppchenjägerstimme im Kopf. „Du hast genug Anziehsachen. Du brauchst keine neue Bluse für dein Vorstellunsgespräch“, entgegnet die Moral.

Wandel beginnt im Kopf:

Um das System zu ändern, müssen wir die Kultur ändern, durch das es gedeiht. Wir müssen mit uns selbst beginnen. Individuelle Handlungen auf einer gemeinsamen Ebene.“

– Fashion Revolution

Slow Fashion ist mehr als ein Neologismus, der Mode für hippe und ökologisch angehauchte Berliner vermuten lässt. Nicht nur die finanzielle Grundlage für eine wachsende Anzahl an  #SlowFashion-Bloggerinnen, die die Umsätze von Eco-Labels steigen lassen, weil Grün sich gut verkauft.

Langsamer Konsum ist der Gegenentwurf zum „Habenmüssen“ und der permanenten Schaffung neuer Konsumbedürfnisse. Die Dominanz schneller Billigmode wird die langsame Kleidung nicht ablösen. Slow Fashion revolutioniert die globale Modeindustrie nicht und schafft neue Konsumfallen durch grünen Konsum, der als ethisch und umweltfreundlich vermarktet wird. Aber: Das Konzept ist ein Anfang  für Debatten und Veränderungen auf kleiner Ebene.

„Ich kann mir Slow Fashion nicht leisten“

= Ein beliebtes Argument gegen Fair Fashion, das bei Slow Fashion nicht zählt.

„Slow“ bedeutet nicht nur langsamer zu konsumieren, sondern auch kreativ sein. Du musst keine 100 € für einen Eco Sweater ausgeben. Sneaker aus recycletem Plastik oder der Verzicht auf neue Kleidung ist nicht nötig. Der Slow Fashion Konsumansatz ist flexibel.

Praktische Ideen:

  • Tausche Kleidung mit Freundinnen
  • Verkaufe ungetragene Kleidung auf Kleiderkreisel oder dem Flohmarkt
  • Kaufe Secondhand
  • Besuche Tauschpartys
  • Selbst nähen
  • Capsule Wardrobe

Mehr zum Thema:

„Wie viele Sklaven arbeiten für dich?“, fragt Slavery Footprint provokant. Das Projekt des Musikers und Aktivisten Justin Dillon verdeutlicht die Auswirkungen individuellen Konsums. Es errechnet, wie viele Menschen für deinen Konsum unter sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen, Zwangsarbeit oder Kinderarbeit arbeiten.  Mach den Test.

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