Gegen alle Regeln

Ariel-Levy-Gegen-alle-Regeln-Mongolei

In der Reportage „Mutter für 20 Minuten“ schildert die Journalistin und Autorin Ariel Levy ihre Fehlgeburt. Das Buch  Gegen alle Regeln basiert auf ebenjener Geschichte.

Für ein vorerst letztes großes journalistisches Projekt vor der Geburt ihres Babys reist Levy, im fünften Monat schwanger, in die Mongolei. Mit dem Auftrag, eine Reportage über die ökonomische Wandlung des Landes zu schreiben.

Im Bad ihres Hotelzimmers wird ihr plötzlich schwarz vor Augen. Sie bringt ihren Sohn zur Welt. Eine Frühgeburt. Er lebt, wenn auch nur für 20 Minuten. Ein Smartphonebild und die Erinnerung an 20 Minuten Mutterschaft sind das Einzige, was bleibt. Seine flüchtige Existenz hinterlässt Leere und Verzweiflung. Levys Ehe mit ihrer Frau Lucy geht endgültig in die Brüche. Der Traum vom perfekten Leben: Zertrümmert.

„I wanted what we all want: everything. We want a mate who feels like family and a lover who is exotic, surprising. We want to be youthful adventurers and middle-aged mothers. We want intimacy and autonomy, safety and stimulation, reassurance and novelty, coziness and thrills. But we can’t have it all.”

Gegen alle Regeln ist ein ehrliches Bekenntnis zum Leben. Fern von dem Irrglauben, dass alles Können auch alles Schaffen bedeutet, erzählt Ariel Levy die schwerste Geschichte ihres Lebens. Chronologisch beginnt das Buch mit Levys 20er Jahren und ihren journalistischen Ambitionen. 1996 schreibt sie das erste Mal für das New York Magazin. Später wird sie feste Autorin des renommierten The New Yorker.

Die Anstrengungen, eine ernsthafte Autorin zu werden, thematisiert Levy ebenso wie den Erfolg, als ihre Karriere in New York ins Rollen kommt. Die Suche nach einer Person in den Bars der Stadt, die wie Daisy in The Great Gatsby nie auf der Party erscheint. Bis sie mit 28 die verheiratete, 13 Jahre ältere Lucy kennenlernt. Aus einer Bekanntschaft wird eine Affäre, später Ehe.  Das Glück scheint perfekt – bis auf Lucys Alkoholismus und Levys Verlangen nach mehr Lust und mehr Abenteuer, das in einer Affäre mündet.

Neustart. Levy beendet ihre Affäre, Lucy verspricht, nicht mehr zu trinken.

Ende 30 fühlt Ariel Levy sich endlich bereit für ein Baby; wird prompt durch die Samenspende eines befreundeten Unternehmers schwanger, mit dem die beiden sich die Elternschaft teilen möchten. Bis zu den Minuten im Hotelbadezimmer in Ulan- Bator, in denen Levys Glaube, dass alles im Leben möglich ist und ihre eigene Unverwundbarkeit gemeinsam mit ihrem Sohn sterben.

“Women of my generation were given the lavish gift of our own agency by feminism—a belief that we could decide for ourselves how we would live, what would become of us.”

Gegen alle Regeln ist Ariel Levys zweites Buch, das auf ihrem ersten veröffentlichten persönlichen Text basiert. Hybris –  der Gedanke, dass die ungeschriebenen Gesetze des Lebens nicht für sie gelten, stehen im Kontrast zur Demut vor der Natur, reflektiert Levy.  Sie schreibt über Trauer und Hoffnung, die Wiedergewinnung ihrer Identität nach dem tragischen Ereignis und die Erkenntnis, dass manche Geschichten mit Akzeptanz statt Happyend enden.

Levy ist eine begnadete Autorin, die mit wenigen Worten präzise Bilder zeichnet. Gefühle in Symbole übersetzt. Die 205 Seiten von Gegen alle Regeln fließen vom Papier direkt ins Herz.

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 Header-Foto: Flickr unter CC BY 2.0

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