Haut ab mit eurem Eco Chic.

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Fair Fashion Blogs vermehren sich aktuell wie Kaninchen. Es gibt immer mehr Shopping-Plattformen und Netzwerke für nachhaltige Mode. Diese Entwicklung finde ich fantastisch. Allerdings habe ich einige kritische Anmerkungen zu grünem Konsum.

Unsortierte Gedanken über ethischen Konsum wirbeln seit vier Monaten durch meinen Kopf. Einen wichtigen Impuls für die Strukturierung dieser Fragmente hat mir das Buch „Green Consumption: The Global Rise of Eco-Chic“ gegeben.

Im Vorwort argumentiert der Autor, dass Greenwashing sich nicht mehr auf Unternehmen beschränkt und sich längst auf persönliche Lifestyles ausgeweitet hat:

“ Anstatt uns wegen der Schere zwischen arm und reich oder darüber, dass Konsum zur Erderwärmung beiträgt, schuldig zu fühlen, können wir ein paar Tassen Fair Grade-Kaffee trinken und einen organischen Riegel essen und uns sofort besser fühlen.“

Möchtegern-Weltverbesserer, die gemütlich ihren Fair Trade-Kaffee süffeln und dabei großartige Worte zur Bekämpfung von sozialer Ungerechtigkeit finden? Bingo. Ich fühle mich angesprochen. Eco-Konsum gaukelt laut Richard vor, dass wir die Welt durch die  Änderung unseres Shoppingverhaltens ändern können. Ohne dabei Opfer zu bringen.

Scheinheilig legt das Marketing den grünen Mantel über profitable Produkte und zieht so eine neue Zielgruppe ethisch orientierter Konsumenten an. Grüne Influencerinnen unterstützen Menschen aus dritte Welt Ländern, indem sie die Bluse aus Bangladesch mit dem Fair Fashion-Anstrich bewerben statt der Bluse von Zara. Verbunden mit den   Schlüsselwörtern Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit. „Same shit, slightly different.“ Kapitalismus bleibt Kapitalismus.

Gerechtigkeit und Aktivismus werden in unserem Wirtschaftssystem selbst zur Ware.  Ein Beispiel für dieses Paradox ist das „Girlpower“-Shirt von H&M. Die Botschaft des Oberteils setzt sich für Frauenrechte ein und steht im Kontrast zu den Arbeitsbedingungen unter denen der Billigfummel für 9 Euro und 99 Cent überwiegend von Frauen in Dritte Welt Ländern produziert wurde.

Fair Fashion ist besser als Fast Fashion.  Doch Konsum bleibt Konsum. Wenn wir wirklich das Maximum an Veränderung erreichen wollen, müssen wir Opfer bringen. Uns einschränken. Weniger kaufen und dafür länger tragen. Konsum durch grünen Konsum zu ersetzen ist niemals die Lösung. Lediglich ein erster und wichtiger Anfang.

Es ist ein Irrglaube, das 200 Euro Fair Trade Kleid kaufen zu müssen, weil eine soziale Ader grad en vogue ist.  Dieser postmoderne Ablasshandel befreit das Gewissen. Entbindet jedoch nicht von der Verantwortung für Umwelt und Menschen. Aktivismus mit Substanz ist das nicht.

Frage an euch:  Wie bringen wir Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit unter einen Hut? Ich weiß es im Moment nicht.  Lokale Unternehmen in Afrika oder Asien sind auf die Aufträge von westlichen Unternehmen angewiesen. In manchen Regionen sind Fast und Fair Fashion Unternehmen die einzigen Arbeitgeber, die Jobs schaffen.

 

Ein Gedanke zu “Haut ab mit eurem Eco Chic.

  1. Fairware.org ist ein guter Ansatz. Doch wann, wie und wie oft werden Audits in den Produktionsfirmen und bei der Rohmaterialgewinnzng durchgeführt? Ein grünes Mäntelchen mit einem roten Logo:
    Fair Wear Foundation works with brands and industry influencers to improve working conditions where your clothing is made.

    Gefällt 1 Person

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