Musikalische Systemkritik: Manifest statt Promo

MOBY-THE-VOID-PACIFIC-CHOIR

Mit einem Manifest kündigte Musiker Moby sein neues Album an. Darin prangert er  Übersättigung, Gier und Systemversagen an. 

Im vergangenen Jahr gründete der Musiker und Tierschutzaktivist Moby & The Void Pacific Choir. Ende 2016 veröffentlichte die Gruppe ihr Debutalbum The Systems are failing. Mit dem neunteiligen Album More Fast Songs about the Apocalypse legen sie nach.

„I got no life, I got no hope, I got no will, I got nowhere to go, I lost my soul“

Die Singleauskopplung In this cold place kritisiert Profitgier, Umweltzerstörung und  Trumps Politik. Das Musikvideo entstand in Zusammenarbeit mit dem Animator Steve Cuts. Es beginnt mit einem kleinen Jungen, der Heldenserien im Fernsehen schaut. Mit dem Älterwerden verdrängen Rassismus, Hass und Krieg die Harmonie in der Welt des Teenagers. Desillusioniert und vereinsamt lebt er als Erwachsener, konsumiert industrielle Massenwaren und wird von Trump regiert.  Der US-Präsident nimmt im Video die Rolle des Bösewichts ein.

Moby-The-Void-Pacific-Choir-Systemkritik-Unangepasst-Blog

Wirtschaft, Politik, Nihilismus – Die Systemkritik des Videos hat viele Facetten. Die Macher schrecken dabei auch nicht zurück, das Hakenkreuz in Verbindung mit Donald Trump als Symbol einzusetzen und Politikerfiguren mit dem  Hitlergruß darzustellen. Ob diese drastische NS-Symbolik, die US-Politiker pauschal zu Faschisten macht nötig ist? Ich finde nicht. Elemente aus der Popkultur schaffen dagegen Identifikation und machen Konsum- und Systemkritik einem breiten Publikum zugänglich.


Das Lied führt uns die Seelenlosigkeit des modernen Wirtschafts-und Produktionssystems vor Augen. Das Ende verdeutlicht, dass Gewalt und Zerstörung kein Naturzustand sind. Alle Systeme wurden von Menschen erschaffen. Wir können dem Kapitalismus den Mittelfinger zeigen, Mauern niederreißen und Einsamkeit in Gemeinschaft verwandeln.

Moby kehrt mit seinem neuen Musikprojekt zu seinen Punk-Wurzeln zurück und nutzt seine Reichweite für einen guten Zweck, indem er sich gegen die Zerstörung des Planeten, für Menschenrechte, Umweltschutz und Frieden einsetzt. Auf einen kommerziellen Erfolg ist das Projekt nicht ausgelegt, wie Moby im Interview mit dem österreichischen Radio FM4 klarstellte.

Header-Foto: Moby; Foto 2: Video-Screenshot „In this Cold Place“

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