#Zwischendenstaedten – Zwischen Identitäten

Abstrakte-Kunst-Unangepasst-Blog-ZwischendenstaedtenUnter dem Motto „Zwischendenstädten“ hat Groschenphilosophin aka Bianca Xenia Mayer eine Blogparade gestartet. Mit Identität, dem „Wo“ und dem Raum für Heimat habe ich mich in diesem Rahmen auseinandergesetzt.

In München habe ich das erste Mal drei Monate alleine in einer anderen Stadt gelebt. Es folgten drei Monate in Berlin. Zwei prägende Reisen mit Stationen in Havanna und Bangkok. Jetzt wohne ich in einer Stadt in den Niederlanden.

Die Bedeutung von Heimat kenne ich erst, wenn ich meine seit 19 Jahren urvertraute bayerische Kleinstadt verlasse. Dachte ich. Tatsächlich fällt mir meine Definition von Heimat heute schwerer denn je. Die Erinnerungen an Menschen und Orte, Gefühle und Emotionen wirbeln durch mein Inneres.

Früher war Heimat für mich die Illusion eines statischen, real existierenden Ortes. Heute trage ich Heimat im Herzen als flüchtiges Gefühl. Das Leben besteht aus Veränderungen. Stadtbilder verändern sich. Erfahrungen und Eindrücke formen das Ich.

„IN einer Welt sich ständig verschiebender Grenzen ist der Körper – die stoffliche Hülle des Ich – eine der wirklich verläßlichen Grenzen (…)“, schreibt Priya Basil. Ich nicke. Das Ich ist überall. In zwölf Stunden kann es mit dem Flieger in Asien sein oder mit dem Zug nach Hause fahren.

Dass Orte mich nicht wurzeln wäre gelogen. Die Rückkehr in meine kulturlose Kleinstadt ist schön. Das Bekannte ist gemütlich. Doch so sehr ich das Gefühl von Sicherheit liebe, brauche ich regelmäßige örtliche Veränderung. Wanderlust nennt man dieses Verlangen. Die Globalisierung, die EU und die Geburt in einem westlichen Land machen das möglich. 

Ich treibe getrieben von Idealen und meinem Lebensentwurf. Meine Prognose für eine feste Basis in meinen Zwanzigern: Negativ. Meine Herzens- oder Wahlstadt wird sich -wenn- erst manifestieren, wenn ich so viel von der Welt gesehen und erlebt habe, dass ich Material für einen Roman habe. Mir ist bewusst, dass Wurzeln mit steigenden Lebensjahren an Bedeutung gewinnen werden. Doch alles hat seine Zeit.

„Wurzeln, so denke ich manchmal, sind ein Mythos des Bewahrens, der uns an unserem Platz festhalten soll“, schreibt Salman Rushdie in Scham und Schande. Mein aktueller Hauptwohnsitz ist eine Zwischenstation. In meiner schönen aber ein wenig öden und traditionellen alte Heimat könnte ich längst nicht mehr dauerhaft leben. Plovdiv, die zweitgrößte Stadt Bulgariens, besuche ich jährlich. Deutschland und Bulgarien sind als Komponenten meiner Identität fest mit mir verflochten.

Ich brauche keine starre Definition von Heimat. Keine Wahl- und/oder Herzensstadt. Die Stadt meiner Kindheit und Jugend ist in meiner Erinnerung verankert. Mit ein bisschen Wehmut werde ich in ein paar Jahren vermutlich an meine Studienstadt denken. Nach Berlin führen mich meine Wege sowieso immer irgendwie wieder. Es gibt weitere unbekannte Städte, die darauf warten, aus meiner Perspektive erkundet zu werden.

Das Leben zwischen Städten, die Frage nach der Heimat, dem „Wo“ ist für mich eine Charakterfrage.  Zwei Ichs wohnen in meinem Körper:

Mein Bohéme-Ich will permanent neue Länder, Menschen und Kulturen entdecken und Konventionen hinterfragen. Konform mit der Reiseobsession meiner Generation habe ich Sehnsucht nach Orten, die ich nicht kenne. Während eines Roadtrips jede Nacht in einer anderen Stadt zu schlafen ist Teil meiner Definition von Glück. Der Beat Generation-Roman On the road  zählt deshalb (Überraschung, Überraschung!) zu meinen Lieblingsbüchern.

Mein anderes Ich bewegt sich gerne in seiner Komfortzone. Es schätzt vertraute Wege und Leute. Konstanten in meinem Leben sind mir so wichtig wie Freiheit. Das ist mir nach dem Abitur bewusst geworden, als der Weg vor mir viele Abzweigungen hatte. Tägliche Morgenroutinen, Tagesabläufe und seit Jahren vertraute Gesichter: Alles auf null. Dafür nie wieder Mathe.  Orte und Menschen wurden zu meinen Fixpunkten.

Das Leben zwischen Städten ist wunderschön und manchmal verwirrend. Denn Abschiede tun weh. Immer.  Das Leben in vier Städten und das Reisen haben mich gelehrt, die Essenz meines Aufenthaltsortes aufzusaugen. Im Hier zu leben. Meine Perspektive zu wechseln. Die wichtigste Erkenntnis: Abschiede machen die Wiedersehen  umso schöner.

Headerbild: Alex Sar via Flickr unter CC BY 2.0

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s