Anti-Fashionista: Modische Entschleunigung im Selbstversuch

Slow-Fashion-Selbstversuch-Unangepasst-Blog
Nachhaltigkeit, Konsumverzicht, Minimalismus – Viele Faktoren haben dazu geführt, dass ich für mindestens  sechs Monate keine neue Kleidung kaufen möchte.

 „Und die Bitches flippen aus, als wäre Zara-Sale“

Jedes Mal, wenn ich im Zara bin, habe ich diese Shindy-Line im Kopf.  Der Longblazer, die Yeezys an den Füßen, die Michael Kors Uhr am Handgelenk und eine Zara Tasche in der Hand – All das wirkt für mich manchmal wie eine  Uniform der trendbewussten, urbanen Fashionista, die ihre neuesten Errungenschaften stolz auf Insta präsentiert und sich damit classy as fuck fühlt.

Mein persönlicher Konsumprozess

Früher musste ich immer das Neueste haben. Blindlings habe ich gekauft und gekauft, meine gesamten Ersparnisse für eine Louis V und ein Paar Louboutins ausgegeben. Doch der Besitz dieser teuren Luxusobjekte hatten keinen Reiz mehr auf mich, sobald ich sie anfassen konnte.

Als ich für meine Reise gespart habe, war ein Shoppingverzicht für mich selbstverständlich. Ohne es anfangs zu bemerken, war das der Wendepunkt, der mich mehr über exzessive Shoppingtouren in bayrischen Einkaufszentren nachdenken ließ.

Wer konsumiert, hat Verantwortung

Wir haben das Privileg konsumieren zu können. Wählen zu können aus einem riesigen Angebot. Statt Freude kommt aber eher Frust auf à la „Wieso kann ich mir nur die 40-€-Espadrilles im Prada-Style und nicht die Originale leisten?“ Wir wollen mehr und mehr. Genährt wird unsere Lust am Konsum durch selbsternannte Influencer und smarte Markenwerbungen.

Ich bin mir sicher, dass keiner, der bei Primark einkauft, nicht weiß, dass die Kleidung in den monströsen Papiertüten unter ausbeutenden Arbeitsbedingungen hergestellt wurde. Die Näherinnen arbeiten im Akkordtakt zu unmenschlichen Arbeitszeiten und erhalten dafür so wenig Geld, dass es kaum zum Leben reicht. Leider produziert ein Großteil der einschlägigen Marken nicht fair: Primark, Zara, H&M, Bershka …. Irgendwie müssen die 7,95 € Für ein Shirt ja noch Gewinn abwerfen.

Zeitweise widern mich Einkaufszentren und die Läden großer Ketten an. Grabbeltische und über den Boden verteilte Sale-Ware sind ein Sinnbild für gelebten Turbokapitalismus.  Ausbeutung, moderne Sklaverei – Wir haben das alles schon gehört und schieben die Tatsache, dass wir  Teil des ganzen Systems sind, weg.

6 Monate Slow Fashion – Mein Experiment

Als ich in Kuba war, gab es kein Onlineshopping und keine fünfzig Läden mit den Neues Kollektionen. Dieser unbewusste Ausstieg aus dem Konsumdruck war befreiend und hat mir die Möglichkeit zur Reflektion gegeben.

Über Nachhaltigkeit, Ungerechtigkeit und Konsumzwang zu schwadronieren ist ok. Ohne Taten sinnlos. Anfang August habe ich mir vorgenommen, zunächst einmal für sechs Monate keine neue Kleidung zu kaufen.Ausgenommen sind Bademode und Unterwäsche. Flohmarkt und Vintageladen gehen klar, wenn ich etwas wirklich brauche und noch nicht habe.

Bislang habe ich folgenden Käufen widerstanden: Thrasher Flammen Shirt, Superstar Supercolor mit Holographic Effekt, Bomberjacke mit „A“-Patch und Glitzer.

Und? Ich hab’s überlebt. Das Geld, das ich gespart habe, wird in meine nächste Reise investiert.

Lesenswerte Artikel zum Thema Nachhaltigkeit:

13 Gedanken zu “Anti-Fashionista: Modische Entschleunigung im Selbstversuch

  1. Oh ziemlich cool! Oft nervt mich auch dieser Uniform-Look. Nichts zu shoppen, habe ich bisher nicht geschafft, aber ich überlege schon immer genau, ob ich das Teil jetzt wirklich haben will. Denn ich spare auch viel lieber auf meine Reisen. Da hat man mehr und länger was davon. Denn die Erinnerungen werden nie out!
    Übrigens echt cool geschrieben, und toll, dass du noch weitere Artikel angibst 🙂
    Liebe Grüße, Dorie
    http://www.thedorie.com

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    1. Liebe Dorie, ja, es ist wirklich nicht einfach. In schwachen Momenten schaue ich in meinen vollen Kleiderschrank und appelliere an meine Rationalität. Jeder hat seine eigenen Prioritäten und das ist auch gut so. Mit dem Reisen hast du so Recht! Viele Grüße zurück ❤

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  2. Toller Artikel, kann ich nur so unterschreiben! Ich kaufe auch nur noch bewusst das ein, was ich wirklich brauche oder was ich bewusst schon länger haben mag/drauf spare. Manchmal kaufe ich monatelang nichts und kurios: ich lebe immer noch 😉 Hoffentlich denken noch viele andere irgendwann so, damit das Ausbeuten der Menschen langsam mal ein Ende bekommt!

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    1. Ich hoffe es auch, dass viele bewusster konsumieren. Shoppen an sich macht ja Spaß und ich liebe Mode. Die Produktzyklen der großen Ketten werden allerdings immer kürzer, um immer up-to-date zu sein. Das erhöht den Druck auf den Konsumenten, der en vogue gekleidet sein möchte… Vielen Dank für deinen Kommentar! 🙂

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  3. Hey! Ich finde euren Blog einfach mega toll! Alle Artikel sind so schön geschrieben und ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen. Ich konnte mich so gut hineinversetzen in eurer Perspektive und viele Artikel haben mich sehr inspiriert. Das ist definitiv einer der besten Blogs, die ich begegnet bin. Weiter so!!

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    1. Hallo meine Liebe, ich habe deinen Namen auf deinem Blog leider nicht gefunden. Ich/wir freuen uns wirklich riesig über Feedback. Schön zu hören, dass sich jemand mit unseren Gedanken identifizieren kann. Über Kritik oder Artikelvorschläge freuen wir uns übrigens auch immer riesig.

      Liebe Grüße, Anna-Sophie

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  4. Hallo Anna-Sophie!

    Ich bin sehr gespannt, wie es Dir ergeht. Bis vor 3 Jahren habe ich gerne und regelmäßig neue Klamotten gekauft. Wenn ich Stress hatte bin ich sogar in der Mittagspause immer wieder einmal in ein Geschäft und habe nach Schnäppchen gesucht.

    Seit 3 Jahren kaufe ich keine neue Kleidung mehr. Es war gar nicht so sehr der Vorsatz, vor allem nicht mit einem zeitlichen Limit verbunden. Ich habe einfach aufgehört Neues zu kaufen und mir geht nichts ab. Es ist nun einfach so. Eine Gewohnheit. Heute mag ich gar nicht mehr in Geschäfte gehen.

    In der Zeit habe ich viele Alternativen entdeckt. Kleidertauschmärkte und Umsonstläden z.B. Es gibt so viel Altkleidung, dass ich nicht auch noch „neue Altkleidung“ verursachen will.

    lg
    Maria

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    1. Liebe Maria,

      mir erging es ähnlich. Da mal 20 Euro für eine H&M Bluse, ein bisschen Shopping im Zara. Hinzu kommt, dass ich sehr gerne Markenkleidung trage/trug und diese Marken in immer schnelleren Produktzyklen neue Kleidung/Schuhe auf den Markt gebracht haben, die kurz das Nonnplusultra ist und dann wieder „Out“ ist. Trends waren mir noch nie sehr wichtig. Unbewusst lässt man sich jedoch schon in seinen Kaufentscheidungen dadurch leiten.

      Wow, 3 Jahre ist wirklich eine lange Zeit und ich finde es inspirieren, dass das bei dir schon zur Gewohnheit geworden ist. Es stimmt, dass es so viele tolle Alternativen zu neuer, (oft) chemieverseuchter, Kleidung gibt. Ich kaufe sehr gerne auf Flohmärkten in VIntage-Läden ein.

      Habe gestern Abend noch in deinem Blog gestöbert und viele hilfreiche Tipps entdeckt.

      Liebe Grüe

      Anna-Sophie

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      1. Hallo Anna-Sophie!

        Freut mich sehr, wenn Du ein bisschen was gefunden hast zur Inspiration.

        Am Anfang war es etwas ungewohnt, schwierig war die Umstellung jedoch nie. Mittlerweile halte ich den Geruch in den Bekleidungsgeschäften gar nicht mehr aus…

        lg
        Maria

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    1. Liebe Rina, bis jetzt habe ich es tatsächlich durchgehalten. Obwohl mich die neue Asos Kollektion in Verführung gebracht hat, als ich dort im Shop nach einigen Monaten mal wieder reingeschaut habe. Das passt ganz gut zu deinem verlinkten Post. Ich liebe das Outfit!

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      1. Das ist wirklich klasse! Respekt 🙂 Ich kaufe zwar doch häufig ein aber ich verkaufe alles was ich nicht trage wieder oder verschenke es anfreunde. ich weis, es geht besser, aber es ist schonmal ein anfang 🙂 xxx

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  5. Sehr wahre Worte…! Manchmal reicht es schon darüber nachzudenken und seine moralischen Prinzipien beim Einkauf einzusetzen. Wie heißt es so schön im Film Fight Club: „Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, von Geld das wir nicht haben, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen“.
    Danke für den schönen Artikel 🙂

    Viele Grüße Caro

    http://www.walking-planet.com

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