Der Traum vom Reisen

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Ich gehöre zur am Reisevirus erkrankten Generation Y. Wir sind mobil, kosmopolitisch und wollen so viel wie möglich von der Welt sehen. Wir können uns für einen Backpacker-Lifestyle bewusst entscheiden, mit wenig Geld um den Globus fliegen und minimalistisch leben.

Zwei Monate war ich unterwegs – in Kuba und  Thailand. Ich habe viel gelernt und nachgedacht. Über Menschen, Karriere und Glück. Eine Essenz meiner wichtigsten Erkenntnisse fasse ich hier zusammen.

Glück = Leistung?

Der Beruf definiert oberflächlich, wer wir sind. Anhand der Kleidung, dem Äußeren und Bruchstücken aus Konversationen werfe/n ich/wir Menschen in Schubladen. Das ist nicht automatisch schlecht. Es dient auch unserem Selbstschutz, viel zu oft aber kommt ein Mix aus vorgefertigtem Meinungsmuster und Selbsterfahrungen der Begegnung mit unbekannten Menschen in den Weg.

Bück dich hoch!

Mein Problem mit unglücklichen Menschen, die eine Großteil ihres Lebens in einem Büro-Loch verbringen?

Aus Kindern mit dem Drang zur Weltveränderung werden gehetzte Erwachsene, die ihren Frust über eine miese Bezahlung und Unzufriedenheit am Wochenende nach dem vierten Gin Tonic vergessen. Idealisten werden zu Realisten und Träumer lassen ihre Seelenwünsche verwaisen. Jeder denkt an sich. Viele nehmen für die Karriere einen Job mit unbezahlten Überstunden in Kauf, die ihn zum freiwilligen modernen Sklaven machen.

„Das Leben ist kein Wettbewerb“, really? Schon in der Grundschule beginnt der Leistungsdrill für den Übergang auf das Gymnasium.  Die Besten Abiturienten bekommen ihren Wunsch-Studienplatz. Dort geht der Konkurrenzkampf so weit, dass sich Business-Studenten an manchen Universitäten gegenseitig sabotieren. Bücher verschwinden lassen, bewusst Falschinformationen geben. Denn die Plätze für begehrte Auslandsplätze sind rar, nur die Besten dürfen wählen. Nach drei Jahren im theoretischen Universitätssumpf geht der Wettbewerb weiter mit der Jagd auf die bestbezahlten und prestigeträchtigsten Jobs.

Schein oder sein?

In der Leistungs-und Konsum-Gesellschaft, in der wir leben, haben Statussymbole wie Autos, Handtaschen und Immobilien Bedeutung. Luxus, das magische Wort. Clevere Unternehmer kamen daraufhin auf die Idee, diese Luxusgüter auch Menschen zugänglich zu machen, die nicht genug Geld dafür haben. Der Auto-Trend geht zum Leasing, die Prada-Handtasche kann man sich leihen. Fake to impress.

Mehr Menschen-Liebe

Where is the love?“, heißt es im gleichnamigen Black-Eyed-Peas-Lied. Menschlichkeit ersetzen viele Menschen durch Egoismus. Ausländer werden kritisch beäugt, man spricht gerne über Dinge, die der andere Mensch nicht hat. Wenn es um die Makel unserer Mitmenschen geht, zoomen wir ganz genau hin. Die guten Eigenschaften sehen wir, im eigenen Optimierungsdrang konzentrieren wir uns aber gerne auf das Negative.

Menschenliebe beginnt schon im Kleinen. Mit einem Lächeln, das den Tag einer Person ein wenig verschönert, mit Hilfe ohne Gegenleistung, mit Zuhören.

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Aushalten

Reisen ist nicht immer geil. Nicht immer so wie in lustigen YouTube-Vlogs, die strahlende Menschen unterwegs gefilmt mit einer GoPro zeigen. Es gab Momente, in denen ich am liebsten den nächsten Direktflug nach Hause gebucht hätte. Von meinem Zuhause trennten mich Kontinente. Jede zweite, dritte Nacht in einem anderen Bett zu schlafen kann anstrengend sein. Manchmal wäre es gemütlicher, sich mit den besten Freunden einen schönen Abend in der bekannten Umgebung zu machen.

Verzweiflung, Heimweh, Krankheit – In Extremsituationen wächst man über sich selbst hinaus. Auf Reisen in einem fremden Land geschieht das automatisch: Um weiterzukommen, musst man die Zähne zusammenbeißen. Heulen bringt nichts.

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“Nothing behind me, everything ahead of me, as is ever so on the road.”
― Jack Kerouac, On the Road

4 Gedanken zu “Der Traum vom Reisen

    1. Liebe Anna, ja, das stimmt! Und die Prioritäten verschieben sich, wenn man sich aus der westlichen, mittelständischen Kultur bewegt und komplette andere Länder und Menschen kennenlernt. Ich liebe Südamerika und habe starkes Fernweh. Besonders jetzt im Winter. Deinen Blog habe ich mir vorgemerkt und werde deine Texte heute Abend lesen. X, Anna-Sophie

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