Stolipinovo – Zu Besuch im größten Roma-Ghetto Europas

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2012 hat Nate damit begonnen, um die Welt zu reisen. Im selben Jahr gründete er den Reiseblog Yomadic. Ein Blog, der anders als der Großteil der romantisierenden oder ausschließlich kommerziellen Plattformen ist. Statt Postkarten-Romantik und  Tumblr-Sprüchen finden sich hier authentische Bilder, die auch die vermeintlich hässlichen Seiten einer Stadt, eines Landes zeigen.

Er reist, um nicht nur an der touristischen Oberfläche zu kratzen, sondern einzutauchen und  Bilder zu machen, die im Kontrast zu  den Traumstränden und urbanen Glanzwerken aus den farblich perfekt abgestimmten Feeds stehen. Zum Beispiel in Plovdivs Viertel Stolipinovo. Anfang dieses Jahres war er einmal wieder in  der zweitgrößten Stadt Bulgariens. Dort besuchte er das Roma-Viertel. Einen Teil der Stadt, den viele Einheimische nur aus Erzählungen kennen und meiden.

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Zirka  45.000 Menschen leben in Stolipinovo am nordöstlichen Stadtrand Plovdivs. Seit dem Ende der sozialistisch geprägten Ära 1989 war das Viertel weitgehend sich selbst überlassen. Der rapide Anstieg illegaler Bauaktivitäten führte zu großen infrastrukturellen Problemen in der Müllentsorgung und der Versorgung mit Strom und Wasser. Ein Großteil der Wasserleitungen ist verrottet, illegale Bauten besitzen keinerlei Wasserzugang und auch die Abwasserentsorgung ist problematisch: Aufgrund verrotteter Leitungen oder das Fehlen eines Anschlusses läuft das Wasser oberirdisch von den Häusern Richtung Abwasserschächte an den Hauptstraßen ab.

2002 kam es zu Ausschreitungen in Plovdiv, nachdem ein örtlicher Versorger den Strom für das komplette Viertel abgeschaltet hatte. Grund dafür sollen unbezahlte Stromrechnungen in Höhe mehrere Millionen Lew gewesen sein. Der Streit ist mittlerweile beigelegt, als Kompromiss wurde verhandelt, dass Stolipinovo zumindest nachts mit Strom versorgt wird.

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Mich haben seine Bilder sofort in den Bann gezogen und so habe ich ihm im Mini-Interview drei Fragen gestellt:

Wie bist du auf Stolipinovo gekommen?

Einheimische in Plovdiv haben mir davon erzählt.

Warum hast du dich bewusst dazu entschieden, dieses Viertel zu besuchen, dem ein schlechter Ruf vorauseilt?

Ich genieße es alle Teile einer Stadt zu besuchen – Ich denke, dass du die „guten“ und „schlechten“ Teile jeder Stadt sehen musst, um einen exakten Gesamteindruck zu erhalten.

Was hat dich am meisten verwundert?

Ich war in der Europäischen Union – und umgeben von Müll und Armut in einer Form, die ich noch auf keiner meiner Reisen gesehen habe.

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Alle Fotos: Nate Robert // Yomadic

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