Das Nirvana Baby

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Krawall, Gewalt, Sinnlosigkeit – Das Nirvana Baby  ist wütend und orientierungslos. Anna-Sophie hat Juri Sternburgs Roman-Debüt gelesen und war begeistert.

Juri Sternburg ist Theater-Schreiber, Vice-Autor und Berliner Krawalljunge. Sein Debüt-Roman „Das Nirvana Baby“ erschien im vergangenen Jahr im Korbinian Verlag. Der Klappentext mit dem Satz „Ich habe immer an das Gute im Menschen geglaubt, bis ich neun Jahre wurde“, hat mein Interesse geweckt. Ich musste dieses Buch lesen. Sofort.

Ein Protagonist zwischen Alltag und Attentat

„Was soll ich mich um Religion kümmern? Die Gläubigen sind schließlich auch nur einen Gott vom Atheismus entfernt“, einen flotten Spruch hat Paul Bakunin aus der hippen Hauptstadt Berlin immer auf den Lippen. Er ist eigentlich weder frustriert noch deprimiert, trotzdem unzufrieden mit dem  Zustand der Zustände. Lediglich zwei  Dinge sind gewiss: Er liebt seine Nike Air Max (sogar fast ein wenig mehr als seine Freundin) und er hat Wut auf die Gesellschaft in der Brust.

In ihm reift der Plan eines Attentats.Während er  mit seiner Freundin in die Oper geht, Mädchen auf Tinder analysiert, von seinem besten Freund ins Fußballstadion geschleppt wird, brütet Paul über dem perfekten Wann und Wo. Dabei muss er sich eingestehen, dass das schwieriger als gedacht ist. Die  Arbeit beginnt mit der Formulierung des Bekennerschreibens und ein adäquates Anschlagsziel muss gefunden werden. In Tagen des Müßiggangs verstreicht die Zeit.

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In den 90er Jahren führte die Ziellosigkeit und Sinnsuche der Jugend zum Grunge mit Bands wie Nirvana oder die Melvins. Der beste Freund des Darstellers erzählt immer wieder, dass er aus den Tantiemen eines Baby-Fotos lebt. Es zeigt ihn nackt, im Wasser auf einem berühmten Band-Cover. Darauf bezieht sich der Titel. Die geschätzten Mittzwanziger im Buch gehören zur Generation Y, Nachfolger der Generation X. Die erste Generation, die mit dem Internet aufwuchs.

Juri Sternburg bringt die Attitude einer rebellische, doch orientierungslosen und furchtbar mit sich selbst beschäftigten Jugend mit trockenem Witz auf den Punkt. Wie Dylan Paul erklärt: Ausschweifende Partys können eine Form von Rebellion sein. Die Jugend von heute flüchtete eher in den Hedonismus und in den Konsum, als Häuser zu besetzen oder die Autos politischer Gegner anzuzünden. Zu beschäftigt, um auf die Kacke zu hauen und echten Widerstand gegen Ungerechtigkeit in der Gesellschaft zu leisten.

Überspitzt, mit modernen Wortspielen wie „Yolocaust“ und „Sauercrowd“ gespickt, hält uns Paul aus der hippen Großstadt Berlin den Spiegel vor. Das Buch liest sich flüssig und spart nicht an subtilen Kalauern. Touché an den Autor!

Die Länge  ist übrigens perfekt für alle Digital Natives, die nur noch am Bildschirm kleben und mal wieder ein richtiges Buch in den Händen halten wollen. 80 Seiten, das schafft jeder. Ihr werdet euch wünschen, es wären noch mehr.

Ein Auszug aus Das Nirvana Baby

„Das Stadion hat sich inzwischen in eine dieser aberwitzigen Rummelattraktionen verwandelt. Es fliegt auf und ab und dreht sich dabei beständig im Kreis, während ein Marktschreier bereits die nächste Runde anpreist.

Die Lichter zucken, von irgendwo dringen Schreie an mein Ohr. Paul und ich stehen in der Mitte und gleichen die ruckartigen Bewegungen unserer Umwelt durch gazellengleiches Dahingleiten aus, während wir in Großbuchstaben „Ihr habt uns in Beton geboren, und nun wundert ihr euch, dass wir mit Steinen schmeißen“ auf den Rasen schreiben. Die Spieler halten den weißen Schriftzug für die neuen Außenlinien und versuchen verzweifelt, in dem Labyrinth aus Linien einen ordentlichen Doppelpass zu präsentieren, was ihnen nicht gelingen will.

Die Zuschauer fallen um wie beim Domino Day. In der Kurve stehen einige Glatzen und brüllen sich die Seele aus dem Leib: „Nazi-analer Widerstand heißt Doggystyle!“ Jemand klopft mir auf die Schulter. Ich springe auf die Flutlichtanlage und trommle mir wie King Kong auf die Brust.“

 Kauft und lest! Entweder beim Korbinian Verlag oder mit der ISBN 978–3–9817583–0–6 bei eurem lokalen Buchhändler bestellen. Support your local bookstore!

Header-Foto: Anna-Sophie 

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