Was kostet die Welt?

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„I got bills I gotta pay, so I’m gone work, work, work“ – Während das Lied in meinem kubanischen Taxi läuft, denke ich über Konsum, Bedürfnisse und Wohlstand nach.

In Kuba habe ich viel nachgedacht über Kapitalismus, die Philosophie des Kommunismus und Materialismus. Viele Waren sind in dort nur schwer oder überhaupt nicht zu bekommen. Kleidung von westlichen Marken wie Suite Blanco ist viel teurer, als in Europa. Der Großteil der Einheimischen wird es sich nie leisten können, dort einzukaufen. Während wir bei H&M schnell ein günstiges Shirt mitnehmen können, ist die Kleidung unter 10 Euro auf Kuba von schlechter Billo-China-Qualität. Einen DM mit zwanzig verschiedenen Duschgels gibt es nicht, meistens stehen zwei bis drei Sorten im kleinen, vor Menschen fast überquellenden Laden.Auf Reisen habe ich mehr als zwei Monate aus dem Koffer/Rucksack gelebt. In einem Monat habe ich so mehrere Stücke vier Mal getragen. Dazu die Auswahl zwischen einem Paar Flip Flops und sportlichen Nike Blazer – und es hat völlig gereicht.

Minimalismus statt Materialismus

Doch Konsum macht Spaß. Er kurbelt die Wirtschaft an und befriedigt unsere materiellen Bedürfnisse. Zumindest bis zur nächsten Kollektion. Dabei glaube ich, dass es vielen von euch so geht, wie mir: Ich brauche  nicht alles.  Einzelne Stücke habe ich gekauft und nur wenige Male getragen. Jeden Morgen stehe ich vor einer Auswahl, die eine Outfit-Entscheidung nicht erleichtert. Alle meine Urban Outfitters und Zara-Stücke liebe ich. Genauso meine kleine Sneaker-Sammlung, die aus zwei Paaren von Nike und drei Adidas Schuhen besteht. Über „nur“ fünf Paar Sneaker würden manche Hardcore-Sneakerfreaker lachen, mir genügt das.

Ständiger Konsum – Der Reiz des Neuen

Shopping befriedigt und belohnt. Die Globalisierung hat uns mit dem Onlineshopping gesegnet: Wenige Klicks und das Kleid aus den USA ist per Express auf dem Weg zu mir. Stundenlang kann ich bei Urban Outfitters, ASOS und TIGHA stöbern. Praktisch, dass ich die Newsletter abonniert habe, der mich  freundlicherweise daran erinnert, dass ich mal wieder Neues bestellen könnte.

Das Internet hat Business von den Geschäften zum Großteil in die virtuelle Welt umgelagert. Daran kommen wir nicht vorbei. Selbst bei der Arbeit bietet uns der Google AdWords-Algorithmus individualisierte Werbeanzeigen. Influence Marketing hob Werbung auf ein neues Level. Anstatt den unerreichbaren Stars, fungieren jetzt Selfmade-Internetstars als Werbeträger. Menschen wie du und ich.

Sich dem Trubel entziehen? Fast unmöglich. Instagram, Facebook, Snapchat: Alle drei Plattformen waren mal nonkommerziell. Heute verdienen sie fette Millionen durch Anzeigen, indem sie die Fische (uns) ins Netz locken. Die perfekt abgestimmten Feeds, die lächelnden Influencer-Gesichter schreien nach einem: Geld.

Die Welt kostet in Wahrheit weniger, als uns Native Ads und geschickte Sponsored Posts vorgaukeln .Wir brauchen keine Triangl Bikinis,die wie Taucherbikinis aussehen. Ihren Fitness-Tee kann sich Kylie Jenner sonstwohin stecken und die L’oreal Produkte benötigen wir auch nicht unbedingt.

Willkommen im Kapitalimus

Wir leben im Überfluss , oft ohne das zu registrieren.  Wenn wir ein Deo kaufen möchten, haben wir die Wahl zwischen zwanzig verschiedenen Produkten. In Kuba gab es genau drei unterschiedliche Duftrichtungen von einer Marke zur Auswahl. H&M, Starbucks, Mc? Gibt’s hier nicht.

Ein Arbeiter verdient durchschnittlich 8 CUC, das sind zirka 7,09 Euro. Zu wenig, um sich jeden Monat etwas neues zu kaufen oder abends einmal einen Cocktail trinken zu gehen. Ich selbst habe mich mich Arbeitern unterhalten, die außer der Kleidung, die sie trugen nicht viel hatten. Die abgetragenen Schuhe an den Füßen waren ihre einzigen.

Hast du was, bist du was und hast du nix, bist du nix.“ Konsum gibt uns ein gutes Gefühl. Wir können uns damit hervorragend selbst konditionieren und nach der Erreichung von Zielen belohnen. Wirklich nachhaltig ist das jedoch für mich nicht.

Das Reisen, besonders der Monat in Kuba, hat mich geprägt: Ich schätze das, was ich habe jetzt viel mehr und denke künftig vor dem Shopping zweimal nach. Wir haben die Möglichkeit, um uns für ein materialistisches Leben zu entscheiden, die Kubaner leider nicht.

4 Gedanken zu “Was kostet die Welt?

  1. Hm, also du willst mit dem Artikel den Kapitalismus und die ständige Werbung kritisieren, aber erwähnst dann im Text gefühlt 30 Marken und Online-Shops…. widerspricht sich irgendwie😉
    Konsumkritik finde ich sehr wichtig und richtig. Aber vergiss nicht, dass wir Westler uns bewusst für einen „minimalistischen Lebensstil“ entscheiden können, eben *weil* uns alles offensteht…. Kubaner haben diese Wahl nicht!

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    1. Liebe Stefanie,
      ich gehe von mir selbst aus und davon, dass es eben gewollt ist, dass wir viel konsumieren.
      Mir hat meine Kuba-Reise wirklich die Augen dafür geöffnet, wie viel ich eigentlich habe und besitze.
      Es gibt so viele Menschen, die immer das neueste vom neuesten haben müssen und extrem auf sich selbst fokussiert sind. Wir im Westen haben vieles und schätzen es oft viel zu wenig. Viele denken, dass sie zu kurz kommen, dabei können wir uns wirklich glücklich schätzen.
      Dass Kubaner in ihren Jobs keine Ausfstiegschancen haben, mies bezahlt werden, sodass ein Arbeiter-Gehalt kaum zum Leben und ernähren einer Familie reicht, ist eine andere Geschichte. Mir ging es darum hervorzuheben, dass wir im Überfluss leben und so viele das nicht registrieren, sondern immer nach dem Neuesten und nach Statussymbolen schauen.
      Ps. Ich habe mich sehr über deinen Kommentar gefreut. Ich lese deinen Blog schon ewig und habe mir zu Kuba dort Tipps geholt. Gerade der Günstig-Reisen-Guide war sehr hilfreich.

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