Die Insignien des schlechten Geschmacks

Stillen Menschen wird ja oft nachgesagt, mit einer guten Beobachtungsgabe gesegnet zu sein. In meinem Fall ist das wohl richtig. Kennen mich Freunde und Familie als witzige, redsame Zeitgenossin, bin ich in der Öffentlichkeit sehr zurückhaltend. Dank dieser Eigenschaft darf ich immer wieder Zeugin der interessantesten Zwischenfälle werden, so auch letzten Dienstag …

Ich ging ins Einkaufszentrum, um im Schmuckgeschäft meine Uhr reparieren zu lassen, die den Geist aufgegeben hatte und betete, es möge nur an der Batterie liegen.  Da beide Verkäufer gerade beschäftigt waren und ich warten musste, konzentrierte ich mich auf einen der Kunden. Es war ein übergewichtiger Junge im Grundschulalter, der mich unweigerlich an Harry Potters gemeinen Cousin denken ließ, auch wenn ich ihm damit vielleicht Unrecht tue (welchem von beiden bleibt mein Geheimnis).

Zu allem Überfluss trug der adipöse Adonis auch noch Jogginghosen und wollte sich ein Ohrloch stechen lassen. Die Wahl des passenden Steckers, bei der ihm seine blond gelockte Mutter half, fiel auf ein besonders geschmackloses Glitzersteinchen, das es in der Bravo Girl regelmäßig als Extra gibt. Während des Stechens kniete die Mama sich hin, um das Patschehändchen ihres Sohnes halten zu können, was so gar nicht zum gewünschten „Ich-bin-ein-cooles-Kid-Image“ passen wollte. Die Mutter sah das jedoch ganz anders; „Sieht das cool aus!!!“, schrie sie freudestrahlend, als das Werk vollbracht war.                  Dann wurde ich leider bedient.

Eine weitere Beobachtung hatte ich einige Tage danach, nachmittags am Freitag. Während das „coole“ Zweiergespann mir noch positiv zusagte, fallen wir nun in den Sympathiebereich von Herpes und Taylor Swift ab. Dass ich diese beiden Phänomene in einem Atemzug nenne, ist weder gewollt noch beabsichtigt, sondern unvermeidbar.

Aber back to business: Während ich durch die Innenstadt schlenderte, entdeckte ich ein Mädchen von schätzungsweise 14 bis 16 Jahren. Es war eines von dieser Sorte, die bei Jungs in ihrem Alter sicher gut ankommt, in der Klasse beliebt ist, weil sie ein riesiges Selbstbewusstsein besitzt, aber objektiv betrachtet keinerlei Geschmack hat. Sie trug weiße Nike Air Force, eine schwarze Bomberjacke sowie eine beige Tasche, bei der ein Blinder nur mithilfe seines Taststocks erkannt hätte, dass es sich dabei um Kunstleder handelt. Es war eine billige Kopie dessen, was sie als trendy erachtete, und die Uniform aller 15-jährigen Mädchen, die mit 14 ihren ersten Hangover haben und auf Facebook 400 Likes auf jedes Bild bekommen, sowie zahlreiche Kommentare wie „Hüpsche <3“.

Das Abstoßendste, Geschmackloseste folgt jedoch nun: Dieses Kind, das sich noch nicht mal eine Flasche Becks (Alkoholfrei haha) im Supermarkt holen darf, zog eine Zigarette aus seiner Primarktasche und rauchte sie genüsslich. Paffte, als ob es das Normalste der Welt wäre, ihren Qualm in die Luft dieses bwölkten April Tages.                                                      Damit wäre sie für mich auf jeder Bad-Taste-Party die Gewinnerin …

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