Jung, ungestüm, rassistisch

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Rostock, 1992: Arbeitlose Jugendliche leben in den Tag und schüren dabei ihren Hass gegen das „Gesindel“, die Ausländer im Immigrantenviertel. Während sie das verbotene Deutschlandlied grölen fühlen sie sich wunderbar eins. Deutschland, ihre Nation, das gibt ihnen Halt.

Ihr giftiger Hass gegen Nicht-Deutsche entlädt sich nachts in Krawalllen, die teilweise bis in die Morgenstunden andauern und die Polizei überfordern. Stefan, der Sohn eines regionalen Politikers, gehört auch zu der Clique, die „Ausländer raus“ skandiert. Genauso wie der Sohn einer hart arbeitenden Friseuerin, deren Laden die perspektivlosen Jugendlichen nutzen, um einem ihrer Kameraden eine richtig schöne Nazi-Glatze zu rasieren. Als sie zurück kommt, schlägt der eigene Sohn die Mutter mit der Faust ins Gesicht.

Lien kommt aus Vietnam, mit ihrer Familie lebt sie in Deutschland und arbeitet  in einer Wäscherei. Ihr Chef lobt die Arbeitsmoral der Asiaten, nicht selten wird sie von der Tochter ihrer Kollegin abwertend“Schlitzi“ gerufen. Im Asylbewerberheim hofft Lien mit ihrer Familie auf eine Zukunft in Deutschland und ein neues Zuhause. Doch nicht jeder glaubt daran….

„Wir sind jung wir sind stark“ zeigt, wie sich rechtes Gedankengut in die Köpfe junger Menschen frisst. Eine Loser-Truppe, die nur durch die geteilte rechtsextreme Einstellung zusammen hält und auch Gefallen daran hat, sich gegenseitig nieder zu machen. Jungen und Mädchen, die ein geiles Gefühl haben, wenn ein Aslybewerberheim in Flammen steht.

Der Film basiert auf wahrem Geschehen. Vor dem“Sonnenblumenhaus“ in Rostock sammelten sich während den Ausschreitungen zwischen dem 22. und 26. August 1992 bis zu 3000 Menschen, die johlten und applaudierten, während Nazis Feuerflaschen warfen und das Asylbewerberheim brannte. Versagen – der Polizei und der Menschlichkeit und ein Musterbeispiel an Hass. Eine Jugend, die sich unbesiegbar fühlt und dabei doch nur in der Blase des Patriotismus lebt.

Es tut weh, den Film  zu sehen und es muss weh tun. Denn wenn auf den Straßen Pegida marschiert und die AfD wie Phönix aus der Asche in einem Landesparlament nach dem anderen Top-Wahlergebnisse einfährt, muss etwas im Land schief sein. Großes Kino von Regisseur Burana Qurbani!

Header-Foto: ZORRO Film

 

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