Aus dem Leben eines Taugenichts

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 Friedhofsromantik, Frühstück für Gewinner und Kapitalismus gehören zum Alltag eines Taugenichts. Joseph von Eichendorffs Klassiker in einer freshen Neu-Interpretation.

Wir präsentieren euch heute unsere neue Kolumne Klassiker neu Interpretiert. Es geht um Klassiker und Interpretation. Klug erkannt. Der Rest erklärt sich von selbst, wenn ihr ein wenig für anspruchsvolle Literatur übrig habt und Schiller nicht für eine Bier-Sorte haltet.

KLASSIKER NEU INTERPRETIERT heute:

Aus dem Leben eines Taugenichts von Joseph von Eichendorff

Montag, 11 Uhr. Verschlafen blicke ich auf die goldene Basicbitch Michael Kors Uhr, die neben mir auf dem Tisch liegt, da ich sie noch nicht in ihr braunes, anfangs stark nach Chemie, Kinderarbeit und Massenproduktion riechendes Kästchen gepackt habe.

11 Uhr. Ferdammt (=Fuck + Verdammt).  Eigentlich wollte ich doch um 7 Uhr aufstehen, da um 08.30 Uhr meine erste Stunde beginnt. Doch nach einem drei-sekündigen Schockmoment erkenne ich, dass es egal ist, ob ich anwesend bin oder nicht und entspanne mich. Gerade als ich im Bad dabei bin, mir eine Heilerdemaske aufzutragen, klopft es an der Tür. Nach kurzer Verwunderung bin ich mir zu 99% sicher, dass das der Hausmeister sein muss, der das Licht in unserm Gang reparieren will. >Bitte Sarah mach auf!< bete ich im Stillen. Sarah mit dem wunderschönen Rapunzelhaar ist meine Mitbewohnerin. Doch sie schläft  noch. Wiederum klopft es. Aber mit meinem Durchfall-look-a-like im Gesicht kann ich unmöglich aufmachen. Schließlich betritt der Hausmeister die Wohnung mithilfe seines eigenen Schlüssels (was wir ihm ausdrücklich erlaubt haben, falls jetzt jemand meint, unsern Freund und Helfer tadeln zu müssen). Nach zwei Minuten ist er fertig, die Tür fällt ins Schloss, ich verlasse das Bad und unser Gang erstrahlt in neuem Lichte. That was easy.

Zum Frühstück gibt es schwarzen Kaffe und Cornflakes ohne Milch. Nicht, da ich neuerdings Veganer bin, sondern weil ich erst noch einkaufen gehen muss. Nach diesem Festmahl ziehe ich mich an, verpasse mir ein Drei-Minuten-MakeUp, das nach einem Zwei-Minuten-MakeUp aussieht und verlasse das Haus in Richtung Uni, genauer gesagt Richtung Mensa.  Vor dem Eingang werde ich von einem indischen Mönch angesprochen, der eigentlich aus Deutschland kommt und eben hier nun seine Religion mittels nach Bollywood aussehender Bücher verbreiten möchte. Dankend lehne ich ab und laufe etwas schneller, da ich mal wieder zu spät dran bin und meine Freundinnen nicht warten lassen möchte, weil sie die einzigen sind, die mir verkochte Nudeln mit zweifelhaftem Gemüse schmackhaft machen können. Als ich die Uni nach drei Stunden wieder verlasse, ist der Mönch immer noch da. Aufmunternd lächle ich ihm zu und bemerke meinen Fehler zu spät. >Duuuuuuu siehst aber nett aus!! Hab ich dich schon angesprochen?<

Ich bejahe, bedanke mich nochmals und hasse mich dafür, ihm Hoffnung gemacht zu haben, nur um diese kurz darauf zu zerstören. Auf dem Nachhauseweg kaufe ich bei Edeka das gesamte „Gut&Günstig“ Sortiment und bereite mir anschließend zuhause ein gutes und günstiges Mahl, bestehend aus Sandwich und Tortilla Chips zu.

Um 19 Uhr besuche ich meinen Fatburner Kurs und trainiere Muskeln in meinem Gesäß (da wir ein seriöser Blog sind verwende ich das A… Wort nicht), von deren Existenz ich vorher noch nicht einmal gewusst hatte. Auf dem Nachhauseweg begleite ich eine Freundin, deren Weg an einem Friedhof vorbeiführt.

Aus dem Dunkel ertönt plötzlich eine Stimme: „Das ist aber romantisch hier.“ Ein alter Mann lehnt an der Mauer. „Naja … da kenne ich Romantischeres“ antworte ich. „Was ist denn für sie romantisch?“ fragt er mich. „Ein schönes Essen …“. „Ja, da haben Sie auch recht! Schönen Abend noch!“

Ich erwidere seinen Wunsch und gehe weiter. Dank solcher Unterhaltungen habe ich den Glauben an die Menschheit noch nicht verloren. Ein nächtliches Gespräch über Romantik am Friedhof? Why not! Zuhause angekommen futtere ich mir das weggeburnte Fett wieder an, dusche mit meinem überteuerten Rituals Duschschaum, der letztlich doch nur Flüssigseife ist, kuschle mich in einen Bademantel und schaue noch Supernatural. Gähnend verabschiede ich mich von Dean und Sam und gehe ins Bett.

Für einen Taugenichts habe ich heute ganz schön viel erlebt…

 

2 Gedanken zu “Aus dem Leben eines Taugenichts

  1. Hi,

    warum nicht gleich Lisa von Eichstätt?

    Und dass du auf Mönche stehst, steht für deine Suche nach dem Herrn
    😉
    Oder Ferdammt, habe ich da etwas überromantisiert?

    Bitte entschuldige meinen laienhaften Kommentar – es ist der erste, den ich schreibe
    =-D

    Gruß

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    1. Jaja, wir wissen doch alle, dass die interessantesten Boys die sind, die nicht in Frage kommen 😜
      Ich kommentiere gerade auch zum ersten mal einen Kommentar hier – aber natürlich so selbstverständlich, als hätte ich nie etwas anderes getan 😛

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