Liebe Primark-Tütenträger, wir müssen reden

Primark

Billig um jeden Preis? Ein paar Einwürfe zu Konsum, Bewusstsein und Alternativen.

Es ist Samstagnachmittag. Die Massen strömen in Richtung Alexanderplatz. Viele haben  einen bestimmten Laden im Visier: Den Primark-Store. 19 Filialen gibt es zurzeit in Deutschland, zwei alleine in Berlin. Wie die „Berliner Morgenpost“ kürzlich berichtete, sollen neue Geschäfte in der Hauptstadt dazu kommen. Das Geschäft boomt. Vor allem Jugendliche aber auch Mütter mit Kindern, ganze Familien, decken sich hier spottbillig mit der neuesten Trendmode frisch aus Bangladesch ein.

Blue Jeans gibt es hier für 19 Euro, eine orange Umhängetasche für 12, eine schlichte Bluse  für 9 Euro. Die Kleidung ist nicht reduziert, sie kostet regulär so wenig. Das erklärt, wieso in Berlin an allen Orten immer wieder Menschen mit riesigen Primark-Tüten in der Hand auftauchen.

Viele kaufen hier ein, ohne nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass jemand für das billige Shirt mit dem fancy Aufdruck leiden musste. Oh, ein Wanderlust-Aufdruck. So Generation Y. Primark-Mode ist Massenware, die tausende von Menschen auf der ganzen Welt  im selben Style kleidet.

Mit Fäschion, die im Trend ist, trifft Primark den Mainstream. Look-a-likes der Chanel 2.55, billige Perlen-Armbänder, Yeezy-Fakes – alles zu spottbilligen Preisen. Statt nur einem Teil bei anderen Marken kann man hier für hundert Euro völlerisch einen ganzen Arm  Billofummel mitnehmen. Selbst, wenn man dafür im rappelvollen Laden fast umfällt aufgrund der Menschenmassen und dem teils bestialischen Gestank nach billiger Chemie.

Wenige kaufen zu 100 % korrekt ein, bezahlen immer einen fairen Preis, der Produzent und Unternehmer glücklich macht. Aber wenn ich in der U-Bahn ständig Leute mit mehreren Primark-Papier-Taschen sehe, könnte ich kotzen.

Billig, billig, billig – Wie Primark funktioniert

Wenn junge Teenager in Youtube-Vlogs ausrasten, weil sie im Konsumtempel für Billigmode angekommen sind, scheint das wie ein schlechter Scherz. Kennt man die wahren Hintergründe über Produktionsbedingungen und den Umgang mit den Menschen, die in Fabriken für einen Hungerlohn arbeiten, wird man sehr nachdenklich.

Bildschirmfoto 2016-02-19 um 15.49.22Die Dokumentation“Mode zum Wegwerfen- Das Primark Prinzip“ gibt Aufschluss über den Ursprung der Kleidung. Darin erfahren wir zum Beispiel, dass Arbeiter in einer asiatischen Fabrik  11- 13 Stunden am Tag, sechs Tage die Woche arbeiten. Dafür erhalten sie zwischen 30 und 60 Euro. Im Monat. Zu wenig, um angemessen für die harte Arbeit entlohnt zu werden und menschenwürdig davon zu leben – viele Primark-Käufer  geben diesen Betrag alleine bei einem einzigen Besuch aus.

Es ist leicht über Primark herzuziehen, wenn man selbst dort nicht einkaufen muss. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass niemand gezwungen ist bei Billig-Billig-Discountern wie Primark und Kik zu shoppen. Statt für zehn Kleidungsstücke von minderwertiger Qualität, kann man sein Geld für ein hochwertiges ausgeben. In Thrift-Shops genannt, lassen sich günstige und unglaubliche Schnäppchen machen, die sogar eine Geschichte haben und nicht von geschundenen Händen in einer Bangladescher Fabrik  gefertigt wurden, die jederzeit einstürzen kann.

Word!

Bildschirmfoto 2016-02-13 um 00.21.51

Komm mal auf den Punkt

Für 2016 habe ich mir vorgenommen bewusster einkaufen. Zweimal nachzudenken vor dem Kauf neuer Kleidung, beim Onlineshopping den Kopf einschalten und versuchen wirklich nur das zu kaufen, was ich wirklich UNBEDINGT haben muss.

Ich will individueller kaufen. Keine H&M-Bomberjacke tragen, die ein anderes Mädchen auf der Straße garantiert auch trägt. Vintage-Fashion ist nachhaltig, bereits der Kauf ein Abenteuer. Stundenlang kann man im Store stöbern und so wahre Schätze entdecken. Einzigartige Kleidung mit Geschichte – auf der Straße begegnet euch sicherlich niemand, der das gleiche Top aus den 90ern trägt. Just Sayin‘.

Ps. Dieser Text soll einen Denkanstoß liefern lieber zwanzig Euro mehr für ein fair(ere)es Shirt auszugeben. Natürlich ist’s nicht ganz korrekt mit Air Max,  Zara-Bluse und Dr.Denim-Hose vor dem Primark zu demonstrieren. Wir alle besitzen Kleidung für die eine andere Person nicht fair entlohnt wurde. Die Frage ist: Wo fangen wir an zu handeln? Ein Primark -Verzicht wäre ein guter Start.

 

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